Longevity im Alltag: Warum Wissen und Vertrauen die größten Hürden sind

Longevity im Alltag: Warum Wissen und Vertrauen die größten Hürden sind

Foto: Tim Collins auf Unsplash

Longevity ist in aller Munde – doch zwischen dem Wunsch nach einem langen, gesunden Leben und dem tatsächlichen Alltag klafft oft eine große Lücke. Eine neue internationale Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) zeigt: Es sind nicht nur fehlende Disziplin oder Zeitmangel, die uns bremsen. Sondern vor allem zwei oft übersehene Hürden: fehlendes Wissen und mangelndes Vertrauen in die vielen Angebote. Was das für dich bedeutet und wie du konkrete Schritte für deine Gesundheit gehen kannst, erfährst du hier.

Die Studie: Was Menschen wirklich davon abhält, gesund zu leben

Das NIM befragte im Mai 2026 insgesamt 5.000 Menschen in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und den USA – repräsentativ für die Altersgruppe 18 bis 74 Jahre. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Es gibt nicht die eine Hürde, sondern ein ganzes Bündel an Alltagshindernissen.

In Deutschland gaben 32 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Disziplin fehle. 26 Prozent nannten zu hohe Kosten, ebenso viele priorisieren den Lebensgenuss. Zeitmangel ist für 22 Prozent ein Hindernis. Doch dann folgen zwei Punkte, die oft übersehen werden: Ebenfalls 22 Prozent fehlt das Wissen darüber, was wirklich wirkt, und weitere 22 Prozent vertrauen den Trends und Anbietern nicht. 18 Prozent zweifeln grundsätzlich an der Wirksamkeit solcher Maßnahmen.

Besonders spannend: Diese Hürden haben nichts mit Willenskraft zu tun. Sie sind ein klares Informations- und Vertrauensproblem – und das lässt sich nicht durch mehr Anstrengung lösen, sondern nur durch bessere Aufklärung und Transparenz.

Expertenstimme

„Longevity ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Frage der Lebensqualität. Die Studie zeigt, dass viele Menschen schlicht nicht wissen, was wissenschaftlich belegt ist und was nicht. Genau hier müssen wir ansetzen – mit verlässlicher, unabhängiger Information.“ – Michael Altewischer, Deutsche Longevity Gesellschaft e.V.

Die große Diskrepanz: Gefühlte vs. tatsächliche Bewegung

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel liefert das Thema Bewegung. Laut NIM geben 59 Prozent der Deutschen an, regelmäßig Sport zu treiben. Doch das Robert Koch-Institut (RKI) misst nicht die Selbsteinschätzung, sondern ob die Menschen eine konkrete Empfehlung erfüllen – und das schafft nur ein Viertel.

Konkret: Nur 26,3 Prozent der Erwachsenen erreichen die Bewegungsempfehlung der WHO. 48 Prozent erfüllen den Ausdauerteil, aber nur 36,3 Prozent den Kräftigungsteil. Das bedeutet: Drei Viertel der Erwachsenen in Deutschland sind nicht ausreichend aktiv – obwohl sich die Mehrheit selbst als sportlich einschätzt.

Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und sind nicht direkt vergleichbar. Aber sie zeigen deutlich, wie weit ein persönliches „ich bewege mich regelmäßig“ von einem überprüfbaren Kriterium entfernt sein kann.

Was die WHO-Bewegungsempfehlung wirklich verlangt

Damit du weißt, woran du bist, hier die offiziellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Erwachsene:

Ausdauer: Mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche – oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität. Moderate Intensität bedeutet, dass du leicht ins Schwitzen kommst und dein Puls spürbar steigt, du aber noch reden kannst. Zügiges Gehen, Radfahren oder Gartenarbeit zählen also durchaus.

Krafttraining: An mindestens zwei Tagen pro Woche solltest du Übungen machen, die deine Muskulatur kräftigen. Das können Gerätetraining, Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder ein Übungsband sein.

Wichtig: Wer nur läuft, aber keine Muskelkräftigung einplant, erfüllt nur einen Teil der Empfehlung. Genau hier liegt der Unterschied zwischen dem Gefühl, genug zu tun, und einem messbaren Kriterium.

Warum Wissen und Vertrauen entscheidend sind

Die NIM-Studie zeigt: Viele Menschen sind verunsichert. 22 Prozent fehlt das Wissen, was wirklich wirkt – und weitere 22 Prozent misstrauen den Anbietern. Das ist kein Wunder in einem Markt voller Wundermittel und Versprechen. Gleichzeitig ist die Verunsicherung ein echtes Hindernis für gesundheitsförderliches Verhalten.

Ein weiterer interessanter Befund: 53 Prozent der Deutschen wollen im Hier und Jetzt leben und sich möglichst wenig einschränken. Nur 22 Prozent beschreiben sich als sehr diszipliniert und verzichtsbereit. Das heißt: Gesundheit und Lebensfreude müssen keine Gegensätze sein. Es geht nicht um Verzicht, sondern darum, gesunde Routinen so in den Alltag zu integrieren, dass sie zu einem passen.

Was sich aus den Daten für deinen Alltag ableiten lässt

Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umkrempeln. Aber du kannst zwei einfache Fragen nutzen, um deinen Status quo zu überprüfen:

  1. Ausdauer: Kommst du in einer normalen Woche auf mindestens 150 Minuten Bewegung, bei der Puls und Atmung spürbar ansteigen?
  2. Kraft: Trainierst du an mindestens zwei Tagen pro Woche deine Muskulatur – egal ob mit Gewichten, Körpergewicht oder Widerstandsband?

Wenn du beide Fragen mit Ja beantworten kannst, bist du auf einem sehr guten Weg. Falls nicht, findest du hier konkrete Ansatzpunkte, wie du Bewegung realistisch in deinen Alltag einbaust – ohne großen Zeitaufwand.

Die Rolle von Politik und Umfeld

Interessant: Die Wünsche der Bevölkerung und die Empfehlungen des RKI gehen in dieselbe Richtung. Die Befragten wünschen sich mehr Sportangebote, Parks und Radwege (34 Prozent), den Ausbau von Präventionsangeboten (33 Prozent) und mehr Aufklärung (32 Prozent). Das RKI betont ebenfalls, dass Maßnahmen zur Bewegungsförderung dringend nötig sind und nicht nur auf den Einzelnen abzielen sollten, sondern auch die Umgebung verändern müssen – etwa durch bessere Radwege und zugängliche Grünflächen.

Das zeigt: Deine Gesundheit ist nicht nur deine private Angelegenheit. Politik und Gesellschaft sind gefragt, Bedingungen zu schaffen, die gesundes Verhalten leichter machen.

Fazit: Wissen als Schlüssel zu mehr Healthspan

Die NIM-Studie macht deutlich: Longevity ist noch kein breit verankerter Trend, aber er hat Potenzial – besonders bei jüngeren Menschen. Die größten Hürden sind nicht fehlende Disziplin, sondern fehlendes Wissen und Vertrauen. Wenn du dich informierst und auf wissenschaftlich fundierte Empfehlungen setzt, bist du schon einen großen Schritt voraus.

Und denk dran: Es geht nicht um Perfektion, sondern um kleine, realistische Schritte, die du langfristig durchhalten kannst. Deine Gesundheit wird es dir danken – mit mehr Energie, Vitalität und Lebensqualität – und das ist letztlich der Kern von Longevity.

FAQ

Was bedeutet Healthspan?
Healthspan bezeichnet die Zeitspanne im Leben, in der ein Mensch gesund, aktiv und selbstbestimmt ist – im Gegensatz zur reinen Lebenserwartung.

Wie viele Minuten Bewegung pro Woche sind wirklich nötig?
Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche plus zwei Einheiten Krafttraining. Das kann auch in kürzeren Einheiten von 10 Minuten aufgeteilt werden.

Zählt Alltagsbewegung wie Treppensteigen auch?
Ja, moderate Alltagsaktivitäten wie zügiges Gehen, Treppensteigen oder Gartenarbeit zählen zur Ausdauerempfehlung, sofern sie deinen Puls spürbar erhöhen.

Wie finde ich heraus, ob meine Bewegung ausreicht?
Stell dir die zwei Fragen: Kommst du auf 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche? Trainierst du an zwei Tagen deine Muskeln? Wenn beide mit Ja beantwortet werden, bist du auf dem richtigen Weg.

Muss ich mir teure Angebote leisten, um gesund zu bleiben?
Nein, Bewegung kostet nichts: Spazierengehen, Treppensteigen, Körpergewichtsübungen oder ein einfaches Widerstandsband reichen völlig aus. Die Kostenhürde ist oft nur eine Frage der Priorisierung.

Quellen

  • Buder, F., & Biró, T. (2026). Longevity zwischen Anspruch und Alltag. Ergebnisse einer internationalen Befragung zu Verbreitung und Potenzial eines Gesundheitskonzepts. NIMpulse 23. Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V. Link
  • Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V. (NIM) (2026). Pressemitteilung zur Studie vom 11. Juli 2026. Link
  • Robert Koch Institut (RKI), Gesundheitsberichterstattung. Bewegungsverhalten ab 18 Jahre. Datenbasis GEDA 2019/2020 EHIS. Stand 20. November 2024. Link
  • Weltgesundheitsorganisation (2020). Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour. Link

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